Heinrich der IV. (1056 - 1106) schenkte 1090 den Burgwardbezirk Nimucowa (Mochau), gelegen am Flusse Gana (Jahna), Daleminzergau, aber in der Grafschaft des Markgrafen Heinrich I., der Meißner Kirche zum Eigentum. Diese Schenkungsurkunde ist das älteste nachweisbare Schriftstück der heutigen Gemeinde Mochau. Sicherlich sind Mochau und die Ortsteile der heutigen Gemeinde wesentlich älter als diese Urkunde. Darin erwähnt werden nämlich schon Baustellen, Gebäude, bebautes und unbebautes Land, Mühlen und Mühlengebäude. Bereits im 6. Jahrhundert hatten die Sorben und Wenden unsere Heimat in Besitz genommen. Diese trieben emsig Ackerbau und befassten sich mit Viehzucht, Jagd und Fischerei. Ihr ganzes Streben war allein darauf gerichtet, ein wüstes Land mit außerordentlich fruchtbarem Lößlehmboden nutzbar zu machen. Wir verdanken den Sorben die Gründung der ersten Ortschaften.
Die Geschichte von Mochau
Die Sorben teilten vermutlich ihr Land in gewisse Distrikte,
Supanien, also Gerichtsherrschaften ein. Dem Wohnsitz des Supan
(Gerichtsherrn) gehörten mehrere Ortschaften an.
Die Namen dieser Orte lassen noch heute den Ursprung aus der slawischen
Sprache erkennen, den wir aus der Häufung der Mehrlaute ersehen. So zum
Beispiel wurde aus Uteskwitz Theeschütz, aus Prüfa Prüfern, aus
Probisch Präbschütz und aus Nimucowa wurde Mochau. Ziemlich 400 Jahre
haben die Sorben, Daleminzer, allein in unserer Gegend zwischen Elbe
und Saale gelebt und betrieben Ackerbau, Viehzucht und Tauschhandel. Im
9. Jahrhundert drangen erstmals Eroberer aus dem Westen in das
Daleminzergau ein. Im Jahre 892 werden die Daleminzer von dem zum
Herzog ernannten Grafen Burchard zur Entrichtung des gewöhnlichen
Tributes gezwungen.
Heinrich I., Deutscher König, eroberte im Winter 928/29 die Hauptfeste des Daleminzergaues, die Wasserburg Jahna bei Stauchitz. Sie wurde nach 20-tägiger Belagerung im Sturm eingenommen. Heinrich I. legte, um das eroberte Daleminzer-Sorbenland fest in der Hand zu behalten, Burgwarden mit deutscher Besatzung an. Das obere Jahnatal wurde in drei Burgwarden, Jahna, Zschaitz und Mochau, eingeteilt. Die Sorben-Daleminzer waren Heidenvölker. Durch die Eroberung dieses Landes und die Inbesitznahme durch das spätere Römische Reich deutscher Nation begann die Christianisierung, also die Slawenmissionierung. Der Mönchsorden der Zisterzienser wird wohl die ersten Kirchen in unserer Heimat errichtet haben. Die Kirchen Simselwitz und Mochau werden in der Sächsischen Kirchengalerie bereits im 11. Jahrhundert erwähnt. Die Kirche Beicha ist erst später, nämlich mit der Ersterwähnung dieses Ortes am 4. Januar 1346 erstmals genannt und dürfte ebenfalls wesentlich älter sein. Teile der jetzigen Gemeinde gehören den Kirchgemeinden Rüsseina und Döbeln an.
Seit 1540 sind die Kirchen in Sachsen, so auch die unserer Gemeinde, evangelisch. Die Mochauer Kirchenbücher gehen lückenlos auf das Jahr 1577 zurück und sind noch alle erhalten. Die geschichtsträchtigsten Orte der Gemeinde sind neben Mochau zweifelsfrei Simselwitz, Beicha, Choren und Maltitz. Im Zuge des Landausbaues in den Gebieten östlich der Elbe zogen zu Beginn des 12. Jahrhunderts auch viele Bauern dorthin. Sie kamen aus den westlichen Gebieten des Rheinlandes, Lothringens, Schwabens, aus Flamen und Franken. Zu dieser Zeit sind auch in unserem Gemeindegebiet neue Siedlungen entstanden und vorhandene durch Rodung der Wälder erweitert worden. Die Lommatzscher Pflege, ein fruchtbares Lößlehmgebiet. dem wir angehören, hat sich seit dieser Zeit stark Landwirtschaftlich geprägt. Die Orte sind nicht sehr bevölkerungsreich. Meist bestehen sie aus 3 - 5 Bauernhöfen und einigen Häusern in denen sich früher Handwerker niedergelassen hatten. So verfügten viele Orte über eine Bäckerei, Schmiede, Stellmacherei, Sattlerei und Böttcherei. In vielen Orten gab es Gasthöfe - besonders zu benennen sind dabei die Geleitshäuser. Im 19. Jahrhundert begann der Bau von Schulen in einigen Orten. Bis dahin wurde in den Pfarrhäusern unterrichtet. Aus den Mochauer Kirchenbüchern ist zu ersehen, dass der älteste Lehrer um 1585 - 1617 wirkte. Der Schulmeister zog von Haus zu Haus und unterrichtete seine Zöglinge.
Ein Teil der Gemeinde lag früher in der Amtsverwaltung von Meißen. Die Orte, die im Gebiet der großen Jahna liegen, gehörten nach der Auflösung des Amtes Nossen zur Amtshauptmannschaft Döbeln. Ab 1952, nach der Neuordnung der Bezirke, wurden die anderen Orte, die heute zur Gemeinde Mochau gehören, aus dem Landkreis Meißen ausgegliedert und dem Landkreis Döbeln zugeordnet. Seit 1950, so kann man sagen, sind zwei Generationen vergangen. Die Enteignung von leistungsstarken Landwirtschaftsbetrieben nach 1945 bis hin zur Zwangskollektivierung 1960, LPG genannt, waren schwere Einschnitte in das Leben der Menschen in unserem ländlichen Raum. Die 1952 neu geschaffenen Kreisgrenzen, die gleichzeitig noch Bezirksgrenzen waren und heute noch sind, haben in den Jahren von 1950 bis zum Anfang der 90iger Jahre das Zusammengehörigkeitsgefühl zur Lommatzscher Pflege stark gestört. Die Schließung der Kleinbahnstrecke Döbeln - Lommatzsch hat dieses Auseinanderdriften noch mit unterstützt. Einige Orte unserer Gemeinde, nämlich die, die zur Kirchfahrt Rüsseina gehören, sind noch heute enger mit der Lommatzscher Pflege und dem Landkreis Meißen verbunden als die Orte, die in unmittelbarer Nähe des Mittelzentrums der Kreisstadt Döbeln liegen.
Die Kreisgrenzen und die Bezirksgrenzen bestehen noch immer. Aber nicht mehr so ausgeprägt bei den Gemeindeverwaltungen und Kreisverwaltungen Döbeln und Meißen. Ein Glücksfall für das Gebiet der Lommatzscher Pflege war die Aufnahme in das Leader II Programm. Durch viele Initiativen auf allen Verwaltungsebenen, aber besonders durch die Einwohner unseres ländlichen Gebietes wurde die Lommatzscher Pflege noch vor der Jahrtausendwende geschichtlich und kulturell wieder belebt. Das Leader II Programm, gefördert durch die Europäische Union, war bestens dafür geeignet, Verwaltungsgrenzen hinter sich zu lassen und gemeinsam Anknüpfungspunkte in den Vordergrund zu stellen.
Der Name der Lommatzscher Pflege mit seiner hervorragenden Landwirtschaft tritt heute wieder in den Vordergrundgrund. Ein Leitbild für unsere Lommatzscher Pflege bedarf der Unterstützung und Mitwirkung aller unserer Einwohner und braucht sicherlich auch noch viel Geduld. Durch die Gemeinde Mochau zieht sich eine Wasserscheide, in deren unmittelbarer Nähe die Quellgebiete der großen Jahna und des Kelzgebaches, der später als Ketzerbach weiterfließt, liegen. Diese beiden Flüsschen prägen die Lommatzscher Pflege wesentlich und fließen beide, nachdem sie unzählige Bächlein in sich aufgenommen haben, später in die Elbe. Die höchst gelegenen Orte unserer Gemeinde sind Juchhöh und Petersberg mit fasst 300 m NN und damit auch die mit an höchster Stelle gelegenen Orte der Lommatzscher Pflege. Von vielen Stellen in unserem Gemeindegebiet kann man weit hin in das Land schauen. So sieht man zum Beispiel von Präbschütz im Norden den Colmberg und bis Riesa hin. Gödelitz, ein versteckter und in der Öffentlichkeit nicht so bekannter Ort, lässt einen herrlichen Blick nach Leuben und Lommatzsch zu.
Seit 1990 vollzieht sich in der Gemeinde ein rasanter Wandel. Durch
die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft gibt es dort nur
noch wenige Beschäftigte. Als Ausgleich zur Bereitstellung von
Arbeitsplätzen wurde bereits 1992 in Großsteinbach, direkt an der BAB
14, ein Gewerbegebiet erschlossen. Die Orte der Gemeinde werden infolge
wirtschaftlicher Umstrukturierung mehr und mehr zu Wohnorten. Durch
gezielte Planungen der Gemeinde und durch staatliche Fördermaßnahmen
konnten die gesamte Infrastruktur und die Wohn- und Lebensbedingungen
für die Einwohner schon wesentlich verbessert werden. Der Ausbau des
Wegenetzes bietet bereits heute den Freunden des Fahrradfahrens recht
gute Bedingungen, um sich vom Alltagsstress zu erholen.
Die Gemeinde Mochau umfasst 3881 ha und liegt rund 5 km nordöstlich von Döbeln und 20 km westlich von Meißen im höchsten Teil der Lommatzscher Pflege (rund 300 m über NN). Am 1. Januar 1996 erfolgte der Zusammenschluss mit den vormaligen Gemeinden Beicha, Choren, Lüttewitz und Mochau. Seitdem gehören zur neuen Gemeinde Mochau 23 Ortsteile mit insgesamt ca. 2.600 Einwohnern.




